Zimmermann: „Die Grenzdokumentationsstätte ist keine freiwillige Nebensache“

Der Lübecker CDU- Kommunalpolitiker Jens Zimmermann an der Grenzübergangsstelle Lübeck- Schlutup.

CDU-Kommunalpolitiker: Finanzierung muss geklärt werden, der Erinnerungsort selbst steht für mich nicht zur Disposition.

Die von der FDP Lübeck aufgeworfene Frage nach der zukünftigen Finanzierung der Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup ist für den Lübecker CDU-Kommunalpolitiker Jens Zimmermann angesichts der angespannten Haushaltslage grundsätzlich berechtigt. Eine dauerhafte finanzielle Verpflichtung der Hansestadt müsse transparent, belastbar und verantwortungsvoll gestaltet werden.

Gleichzeitig warnt Zimmermann aber davor, aus der berechtigten Finanzierungsdebatte eine grundsätzliche Diskussion über den Fortbestand der Grenzdokumentationsstätte zu machen.

„Ich persönlich halte es für richtig, dass wir bei jedem Euro der Hansestadt genau hinschauen. Aber Sparsamkeit darf nicht bedeuten, dass wir unsere eigene Geschichte aus dem Blick verlieren.“

Für Lübeck sei die Grenzdokumentationsstätte etwas Besonderes. Schlutup war der nördlichste Grenzübergang zwischen Bundesrepublik und DDR und zugleich der einzige auf dem Gebiet einer westdeutschen Großstadt. Der authentische Ort erinnert an die deutsche Teilung, an Flucht und Unfreiheit, aber auch an die friedliche Revolution und die Wiedervereinigung.

„Ich sehe die Grenzdokumentationsstätte persönlich als Verpflichtung Lübecks gegenüber den kommenden Generationen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die deutsche Teilung irgendwann nur noch eine Jahreszahl im Geschichtsbuch ist.“

Gerade für junge Menschen sei es wichtig, Geschichte an authentischen Orten erleben und verstehen zu können. Die Grenzdokumentationsstätte sei deshalb nicht lediglich ein kleines Museum, sondern ein außerschulischer Lern- und Erinnerungsort mit überregionaler Bedeutung. Die Stadt selbst verfolgt ausdrücklich das Ziel, die Grenzdokumentationsstätte als Erinnerungsort und Lernort historisch-politischer Bildungsarbeit zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Zimmermann begrüßt dabei ausdrücklich die geplante Zusammenarbeit mit dem Grenzhus Schlagsdorf. Aus seiner Sicht liege darin sogar eine große Chance, die Grenzgeschichte künftig professioneller, moderner und überregional stärker sichtbar zu vermitteln.

Schlutup und Schlagsdorf könnten sich dabei hervorragend ergänzen: Hier die Perspektive der ehemaligen westdeutschen Grenzstadt Lübeck und des Grenzübergangs, dort die Perspektive des ehemaligen DDR-Gebietes. Gemeinsam könne daraus ein länderübergreifender Erinnerungs- und Lernort entstehen. Genau diesen Weg schlägt auch die aktuelle Verwaltungsvorlage vor.

„Ich selbst halte die Kooperation mit dem Grenzhus Schlagsdorf für einen sehr guten Weg. Wir sollten nicht zwei Standorte gegeneinander ausspielen, sondern ihre jeweiligen Stärken zusammenbringen.“

Auch unter finanziellen Gesichtspunkten müsse die Kooperation ernsthaft geprüft und genutzt werden. Nach den aktuellen Berechnungen der Verwaltung liegen die erwarteten jährlichen Kosten für den Standort Schlutup bei einer gemeinsamen Trägerschaft ab 2028 bei rund 320.000 Euro. Für eine solche Struktur wird zugleich eine institutionelle Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein angestrebt.

Für Zimmermann steht deshalb fest: Über Finanzierung, Trägerschaft, Effizienz und eine faire Beteiligung von Stadt und Land müsse selbstverständlich gesprochen werden. Der grundsätzliche Erhalt der Grenzdokumentationsstätte dürfe jedoch nicht zum Verhandlungsgegenstand werden.

Die CDU Lübeck habe sich in der Vergangenheit stets vorbehaltlos für die Einrichtung und Weiterentwicklung der Grenzdokumentationsstätte ausgesprochen und eingesetzt. Daran werde sich auch künftig nichts ändern.

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Grenzdokumentationsstätte in Schlutup erhalten bleibt. Über das Wie können wir sprechen, über das Ob sollten wir nicht mehr diskutieren.“

Zimmermann sieht dabei insbesondere das Land Schleswig-Holstein in der Verantwortung, den besonderen Charakter dieses Ortes anzuerkennen und die Hansestadt bei der langfristigen Finanzierung zu unterstützen. Das Land hat bereits in den Jahren 2025 und 2026 insgesamt 150.000 Euro für die Weiterentwicklung der Grenzdokumentationsstätte bereitgestellt.

Zimmermann abschließend: „Lübeck war Grenzstadt. Deshalb muss Lübeck auch Erinnerungsstadt bleiben. Das ist keine Frage parteipolitischer Profilierung, sondern eine Frage unseres historischen Selbstverständnisses.“

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